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"Welcome back home, Luciano!"
Dez. 2009 bis Feb. 2010

Luciano Castelli, einer der international betrachtet erfolgreichsten Schweizer Künstler der Gegenwart, ist Mitte dieses Jahres von Paris (und der Normandie; vorher war er in Berlin tätig) nach mehr als 30 Jahren wieder zurück in die Schweiz gezogen. Aus diesem Anlass, quasi als „welcome back home Luciano!“, präsentieren wir bei uns im Hause eine kleine Ausstellung. Alle Werke stammen aus Schweizer Privatsammlungen, einige Werke sind verkäuflich.

 

Luciano Castelli gehört zu den wenigen Schweizer Künstlern, die auf dem internationalen Parkett nachhaltig Erfolg haben. Davon zeugen die zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen in der ganzen Welt, insbesondere in New York, Chicago, London, Berlin, Cannes, Venedig, Paris, Frankfurt und natürlich in der Schweiz, ebenso wie die zahlreichen (wissenschaftlichen) Publikationen. Seine Werke bilden Bestandteil zahlreicher Privat- und Museumssammlungen sowie von Sammlungen institutioneller Kunstsammler in der ganzen Welt. Letztlich zeigt sich das grosse Interesse der Kunstsammler an den Werken Castellis auch in den soliden Preisen, die derzeit auf den Kunstauktionen von New York, Paris, Berlin, Monaco bis nach Luzern erzielt werden. Dass Luciano Castelli den internationalen Durchbruch erst im Ausland erreichte, reiht sich in das typische Bild grosser Schweizer Künstler.

 

Bereits als 18-jähriger experimentiert der junge Castelli mit den unterschiedlichsten Materialen wie Flitter, Pailetten, Federn und Buntstiften und schuf seine ersten Zeichnungen, Collagen sowie Photographien. Aufmerksamkeit erregt dann die Ausstellung „Transformer: Aspekte der Travestie“ in Luzern im Jahre 1974 (kuratiert von Jean-Christophe Ammann); Luciano war gerade 23 Jahre alt! Zwei Jahre zuvor nahm er an der „documenta 5 in Kassel teil (kuratiert von Harald Szeemann). Es folgen Ausstellungen in Innsbruck, in Lugano, im Centre Pompidou in Paris, in New York, Köln, Nice, Lausanne, Genf, Berlin und Basel. Basis des Schaffens des jungen Castellis beschreibt Joachim Becker wie folgt: „Aus der Perspektive einer politischen Utopie eines ‚Paradise Now‘ (Living Theater) erwächst eine Ästhetisierung von Lebensweisen und persönlicher Wünsche und Phantasien. Soziokultureller Hintergrund sind die progressiven Kunstbewegungen der 60er Jahre, sind revolutionäre Bestrebungen, die entmündigenden Trennlinien zwischen den Geschlechtern und sozialen Klassen zu überwinden“ (Joachim Becker, Luciano Castelli – Der Künstler als Gesamtkunstwerk, in: Luciano Castelli „Revolving Paintings“, Bern 1998, S. 9). Seine Selbstinszenierungen, v.a. eine Darstellungen seiner Selbst in der Rolle der Frau, erklärt Luciano Castelli wie folgt: „Ich wollte erfahren wie das ist, wenn man eine Frau ist, wenn man sich schminkt, wenn man sich anders bewegt. Denn natürlich zwingen die Kleider zu anderem Verhalten“ (Erika Billeter, Ein Maler träumt sich – Luciano Castelli, Bern 1986, S. 22).

 

Luciano zieht nach Berlin. Die Stadt „packt den jungen Luzerner, springt ihn an, fordert ihn heraus und löst in ihm einen Strom in Reserve gehaltener Kreativität aus, der sich in einem Rausch des Malens Bahn bricht.“ (Erika Billeter, Ein Maler träumt sich – Luciano Castelli, Bern 1986, S. 46). Er lernt dort Salomé und Rainer Fettig kennen, mit denen ihn eine tiefe Freundschaft verbinden wird. Es folgen Performences, Aktionen, es wird die Musikband „Geile Tiere“ gegründet und es werden Filme gedreht sowie Gemeinschaftsbilder gemalt. Die Zeit in Berlin ist sehr intensiv, seine Malerei wird expressiver und gebäredenvoller. „Grossstadterfahrung, eine gewisse Coolness und Empfindsamkeit, ein behutsames Annähern an Populäres, darüberhinaus ein lustvolles Übertreten der Intimitätsgrenzen in erotischer Verwegenheit“ sieht Wolfgang Max Faust (Wolfgang Max Faust, Gemeinschaftsbilder, ein Aspekt der neuen Malerei, in: Kunstforum, Nr. 67, 1983). Luciano Castelli wird zum wichtigsten Künstler der Gruppe der „Berliner Jungen Wilden“.

 

Es folgt ein Aufenthalt in der Toskana. Die Farben verändern sich und es entstehen grossformatige Skulpturen. Von 1989 bis Mitte 2009 lebte Luciano in Paris und in der Normandie. Die Zeit ist geprägt durch die Weiterentwicklung der Malerei; er schafft die „Revolving Paintings“. Gleichzeitig arbeitet er weiter mit dem Medium der Fotografie. Im Jahr 1996 zeigt das Maison Européenne de la Photographie in Paris eine Retrospektive seines photographischen Schaffens. Weitere Einzelausstellung werden in Toronto, München, Budapest, Paris, London, Luzern und Frankfurt gezeigt.

 

Hauptwerke sind die Werke der „Selbstinszenierungen“. Sie sind über die ganze Zeit hindurch ein Thema, wenn sich auch die Identitäten immer wieder ändern: So stellt sich Castelli als Indianer dar, als Chinese, Japaner, mal als Mozart, dann wieder Tod in Venedig usw. Dabei bedient er sich der Malerei und der Photographie. Sein diesbezügliches Oeuvre zeugt von einer äusserst intensiven Beschäftigung mit diesem Thema, wie sie in der Kunstgeschichte nur sehr selten zu beobachten ist.

 

Gleichberechtig daneben steht Castellis Beschäftigung mit dem Thema Frau, insbesondere seine Frauenakte. „Er liebte immer mehr den Körper als das Antlitz des Geistes und der Seele. Seine Frauenbilder sind Körperbilder. Körpersprache hat ihn immer mehr interessiert als introvertierte Bewusstseinsspiegelungen. (…) Es sind Frauen, die Weiblichkeit demonstrieren. Er liebt den provozierenden Frauentyp, die Frau, die sich auffällig schminkt, mit hohen Absätzen durch die Strasse klappert und die Aufmerksamkeit der Männer mit allen Mitteln auf sich zu lenken sucht“ (Erika Billeter, Luciano Castelli – Die geträumte Frau, Bern 1993, S. 7).

 

Die Galerie Fischer, insbesondere Trude und Dr. Kuno Fischer verbindet eine grosse Freundschaft mit Luciano Castelli. Die Galerie Fischer widmete dem Künstler im Jahre 1991und 1997 umfassende Einzelausstellungen. Zudem wurden aus nationalen und internationalen Privatsammlungen der Galerie Fischer immer wieder wichtige Werke von Luciano zum auktionsweisen Verkauf anvertraut. Die so angebotenen Werke sind heute grossmehrheitlich wichtiger Bestandteil von internationalen Kunstsammlungen.
 



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